Letzter Törn des Jahres

Ostseecup Sieger reisen auf eigenem Kiel zur Siegerehrung an

Ein Bericht von Matthias Rummel

Samstag, 12.11.2016, 09:00 Uhr morgens im Alten Hafen von Wismar. Sicht gerade eben 30m und -5°C Lufttemperatur. Normale Menschen sitzen jetzt im warmen Büro oder zu Hause beim Frühstück und genießen den zweiten Kaffee des Tages. Wir nicht.

Wir stehen in Ölzeug an Deck der SS “Qualle“ und machen das Schiff seeklar für die Überfahrt nach Niendorf wo in diesem Jahr die Siegerehrung des 27. Ostseecup stattfinden soll. Voller Vorfreude aber schon leicht durchgefroren legen wir gegen 11.00 ab – noch immer liegt dichter Nebel über der uns so vertrauten Wismarbucht.

Wenig später hört man ein gegrummeltes „Die Segelsaison ist doch längst vorbei, warum müssen wir bei dieser Kälte auf dem Wasserweg anreisen?“ vom Vorschiff. Doch als die Segel gesetzt sind und das Schiff auf knapp 7 Knoten beschleunigt kann man der Crew der SY „Test“ die Freude doch an den Gesichtern ablesen. So sind sie halt die Segler – ein bisschen Idealismus gehört dazu. Und so wird es dank regelmäßigem Wachwechsel und Dieselheizung doch noch ein gelungener Schlag – Außerdem haben wir reichlich Glühwein an Bord.

Die 25 Meilen bis Niendorf schaffen wir in 4 Stunden und so machen wir gegen 15:00 fest im Niendorfer Yachtclub. Als einziges Schiff – die Siegercrew legt also schon mal einen spektakulärer Auftritt zu Beginn hin. Um 19:00 beginnt die Veranstaltung: wir freuen uns auf das warme Buffet und ein freudiges Wiedersehen mit der Konkurrenz. Auf dem Wasser harte Rivalen sind die Segler an Land eben eine große Familie…

Wenig später nehmen wir zum dritten Mal in Folge den Wanderpokal für OSC Gruppe 4 entgegen – was für ein unbeschreibliches Gefühl! Der Beifall ist überwältigend und erfüllt uns mit großem Stolz. Das hat vor uns noch niemand mit der „Test“ geschafft! Es wird ein bunter und fröhlicher Abend. Wir feiern bis in die Morgenstunden und genießen unseren Triumph.

08:00 Uhr klingelt der Wecker. Nach ausgiebigem Frühstück machen wir die „Qualle“ wieder seeklar. Alle Leinen raus, einmal kräftig Maschine voraus, um das schwere Schiff gegen das Eis und den Schlick des Hafens aus der Box zu schieben. Doch was ist das?
Hauptgewinn. Der Propeller hat eine Festmacherleine inklusive Grundgewicht angesaugt. Auch nach 1 Stunde schweißtreibender Arbeit können wir die Schraube nicht von der Leine befreien. Alle sind angesäuert, nur Kapitän Bernhardt Tews lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er entscheidet die Leine zu kappen und mit ganz langsamer Fahrt die Werft in Travemünde anzulaufen.
Das Anlegemanöver klappt trotz kräftigem Strom- und Windversatz und so treten wir den Rest des Heimweges mit dem PKW an.
Aber um es mit den Worten unseres Kapitäns auf den Punkt zu bringen: „Pleiten passieren immer mal wieder. Davon lassen wir uns die legendäre Stimmung nicht verderben.“ Recht hat er! In diesem Sinne danken wir allen Freunden und Sponsoren für die tolle Unterstützung und bereiten uns mit Stolz und Ehrgeiz auf die kommende Saison vor.

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